Sonntag, 19. Oktober 2008

Zambia life!

So, da ich ja nun die Gelegenheit habe, ein wenig mehr zu schreiben, möchte ich jetzt mal auf ein paar zambia- (und vielleicht auch afrika-)typische Dinge eingehen.
Die Landschaft lässt sich nur schwer beschreiben, denn ich finde, dass sie überall anders aussieht, aber sobald man aus Lusaka oder einer anderen größeren Stadt rausfährt, ist der Übergang zum Bush nahezu nahtlos. An den großen, einigermaßen gut befahrbaren Strassen, die aber leider nur ein spärliches Netz in Sambia bilden, sieht man alle paar hundert Meter kleine Runddörfer...manchmal nur mit 2-3 Hütten, manchmal aber auch größer mit Schule und Gemeindehaus. Typisch für die Landschaft ist die rote Erde und riesige Termietenhügel, die teilweise 10 Meter hoch sind und mehrere Bäume umfassen können. Gelegentlich findet man Bananenpalmen oder Cassava-Gewächse, aber größtenteils ist es ein farbenprächtiger Mischwald, der selbst in der Trockenzeit recht grün ist. Einige Landstriche sind mittlerweile aber auch schon stark gerodet worden, da aus dem Holz charcoal gewonnen wird, was hier vor allem in den ländlichen Gebieten ungemein wichtig ist, da es die einzige Energiequelle ist. Eigentlich ist das sogar schon ein kleiner Fortschritt, denn früher wurde das Holz direkt verbrannt, ist aber nicht so ergiebig wie charcoal. Was auch immer wieder ein Erlebnis ist, sind die Sonnenauf- und untergänge: ein riesiger roter Feuerball, der den ganzen Horizont scheinbar in Brannt setzt, bis alles rosarot erleuchtet ist.
In Solwezi ist irgendwie alles was 4 Räder hat und fahren kann ein Taxi, zumindest hab ich noch keinen Unterschied ausmachen können zwischen einem normalen Taxi und einem gewöhnlichen Auto. Eigentlich sind die Taxis blau, aber auch alle anderen Autofahrer nehmen dich mit...natürlich gegen ein Endgeld. Anfangs dachte ich immer, dass wären Freunde von Lawrence oder den anderen und hab mich immer namentlich bei ihnen vorgestellt und eine Plauderei angefangen, bis ich dann gemerkt hab, dass die da gar nicht so interessiert dran waren =)Tagsüber ist Taxifahren recht billig, so zwischen 20 und 50 Cent, gegen Abend, wenn dann keine Busse mehr fahren, wirds aber teuerer. Hier gibt es auch keine zentrale Hotline, bei der man anrufen kann, wenn man mal ein Taxi braucht, sondern du musst dir selber die Nummern der einzelnen Fahrer zusammen suchen, sprich von den Fahrern, die einen guten Preis gemacht haben und dich sicher ans Ziel gebracht haben, lässt du dir die Nummer geben und kannst dann zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Ich hab schon 2! Könnte aber wohl auch schon 10 haben, wenn ich wollte. Da sind wir dann auch schon beim nächsten Thema: Telefonieren! Also, die Zambier sind wirklich ein sehr telefonierfreudiges Völkchen! Wenn ich jemanden meine Nummer gebe, dann kann ich mir sicher sein, dass er oder sie noch am selben Tag anruft und sich nach meinem Befinden erkundigt. Ich bekomme im Schnitt auch pro Tag rund 3-4 neue Nummern, bin aber selber sehr vorsichtig mit dem Rausgeben meiner Nummer, denn hab ja auch noch andere Dinge zu tun, als ständig am Telefon zu hängen. Hier kann man auch keine Verträge abschließen, sondern muss sich ganz nach Prepaid-Manier, immer frisch "airtime" kaufen. Und das kann man überall, selbst in der verlassensten Pampa kann man airtime und Coke kaufen. Jeder verkauft es! Wer in Zambia kein Handy hat, der hat verloren, denn nichts geht ohne Handy!
Zum Zeitverständnis in Afrika muss ich wohl nicht viel sagen, die zambischen Uhren ticken halt ein wenig anders als die deutschen...langsamer und stressfreier! Was für einen Pünktlichkeitsfanatiker wie mich, immer wieder eine Herausforderung ist...das fängt beim Kochen an...ein ordentliches Mahl kann auch schon mal ein paar Stunden dauern, vor allem wenn der Koch sich überlegt zwischendurch noch ein paar Freunde zu besuchen und sagt, dass er in 10 Minuten wieder da ist....betrifft aber genauso irgendwelche Meetings und vor allem den Besuch bei Banken oder Behörden, die haben die Zeit gepachtet, glaub ich! Aber ich denke, dass ich mich langsam ganz gut damit arrangiere...und vielleicht färbt ja auch etwas von meinem Zeitverständnis auf die Leute hier ab =)
Jetzt wo ich in Lusaka bin, merke ich schon, dass ich Solwezi in mein Herz geschlossen habe und mich echt freue wieder zurück zu fahren, es ist halt doch noch was anderes als Lusaka...ein wenig ruhiger, sicherer und freundlicher, wie ich finde. Auch wenn in Solwezi eine wachsende "Goldgräberstimmung" zu finden ist, aufgrund der Kupfermine, ganz in der Nähe...es zieht die Leute aus dem ganzen Land an, die hoffen, hier einen Arbeitsplatz zu finden. Jeden Tag wird die Stadt größer! Und kein Mensch weiss, wieviele Leute hier eigentlich wohnen. Die Schätzungen schwanken zwischen 65 000 und 500 000 Einwohnern.
In Lusaka kann ich aber wenigstens mal ein paar Sachen einkaufen, denn es ist einfach billiger. In Solwezi ist wirklich alles teuer, auch tuerer als in Deutschland, aber ich glaube, dass hab ich schon in einem anderen Post geschrieben, deswegen werd ich da jetzt nicht weiter drauf eingehen...
Leider hemmt die lange Busfahrt meine Vorfreude auf Solwezi ein wenig, denn gestern hab ich mal wieder 12 Stunden gebraucht, um vom Norden in den Süden zu kommen, aber immerhin, dass ist eine Zeiteinsparung von gut 3 Stunden im Vergleich zu meiner ersten Fahrt. Vielleicht schaffe ich ja beim nächsten Mal die 10-stunden Marke...Was aber noch viel nerviger ist an der Fahrt, sind die ganzen christlichen Fanatiker, die dann mittten auf der Fahrt anfangen lautstark, das Wort Gottes zu predigen...in Englisch, Bemba oder wahlweise auch Nanya...gut dass ich meinen ipod dabei hatte! Denn 2 Stunden konnte ich mir das Geschrei dann doch nicht antun!
Naja, soviel erst mal aus Lusaka, bei Gelegenheit kommt mehr!

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