Donnerstag, 6. Mai 2010

Minibusfahren in Zambia - eine Erfahrung fuer sich

Zambia hat mich nun wieder mit all seinen Facetten willkommen geheißen: Die letzten Tage durfte ich mich Mal wieder mit Malaria abplagen...es war kurz und heftig, ich fühle mich noch etwas wackelig auf den Beinen, aber trotzdem habe ich mich heute wieder in die Innenstadt Kitwes gewagt, um meiner Arbeit nachzugehen. Und als ich so im Minibus saß, ist mir aufgefallen, wie ungewohnt, wenn nicht gar verrückt es einem Neuankömmling vorkommen muss, sich auf dieses Miniabenteur zu begeben. Für mich ist es mittlerweile ganz normaler Alltag, manchmal muss ich lachen, manchmal kann ich nur den Kopf schütteln und manchmal nervt es einfach nur. Es ist zwar nicht möglich in Worte zu fassen, wie man das alles als „Muzungu“ aufnimmt, aber ich werde es trotzdem auf einen Versuch ankommen lassen...
Minibusse sind in Zambia, eigentlich in ganz Afrika, DAS öffentliche Verkehrsmittel schlechthin...die pulsierende Ader, die alles am Laufen hält...irgendwie. Sie haben die Größe eines Vans, sind himmelblau und meistens mit allerlei Werbung bemalt. Abhängig von der Größe der Stadt stellt man sich einfach an den Straßenrand und winkt, um aufgesammelt zu werden oder man muss zu nicht gekennzeichneten, aber jedem Einheimischen bekannten Haltestellen gehen(in Lusaka ist das so, da dort zu viel Polizeiautos unterwegs sind, als dass man sich einen illegalen Zwischenstopp erlauben könnte). Die Mindestanzahl von Insassen beträgt 16 Personen, was ich schon als kuschelig bezeichnen würde...da sind aber Kinder, Hühner, Fisch-, Mehl- oder Reissäcke nicht mit eingerechnet. Es ist eigentlich immer ein Reisender dabei, der scheinbar seinen Umzug damit bewerkstelligt, zumindest was den Umfang seines Gepäcks betrifft. Nicht selten hat man irgendwelche Babys oder Taschen auf dem Schoß. Ein Minibus fährt niemals, wirklich niemals, ab. bevor nicht auch der letzte Platz besetzt ist, auch wenn das bedeutet, dass man manchmal eine halbe Stunde in der brütenden Sonne steht, gelegentlich vor- und zurückrangiert und die Hupe im Dauerbetrieb betätigt. In Lusaka und auch in Kitwe muss ich immer vom Busbahnhof losfahren, um von der Innenstadt zu meiner Unterkunft zu kommen...da muss man als Muzungu manchmal besonders starke Nerven zeigen. Denn meistens ist man die einzige weiße Person in der ganzen Umgebung und das bleibt natürlich nicht unentdeckt und vor allem nicht unkommentiert...jeder Zweite, der vorbei kommt, gibt seinen Kommentar ab, bleibt gegebenfalls stehen, holt noch ein paar Kollegen ran und fängt eine intensive Diskussion über Was-Weiß-Ich an, denn findet ja nur in Nyanja oder Bemba statt. Aber da alle halbe Minute das Wort Muzungu fällt, ist klar wer Gegenstand des Gespräches ist. Man selber sitzt eingequetscht zwischen stinkenden Säcken (vielleicht Trockenfisch?), lautstark telefonierenden Männern, lachenden Frauen und stillen Kindern...und der Schweiß läuft nur so. Dann kommt der Conducter und erklärt einem, dass man noch eine Reihe weiter nach hinten rutschen soll, denn da ist noch ein Sitzplatz unbesetzt. Ich dreh mich um...Stimmt, da sind tatsächlich noch 10cm Platz neben der gut beleibten african Mama. Dass es sich dabei nicht mehr um die Sitzbank handelt, sondern um einen Benzinkanister, ist kein Argument. Ab nach hinten!!! Nun direkt an die Scheibe gequetscht, bietet man natürlich um so mehr Gesprächsstoff für die gut angeheiterten Jungs draußen. Die mir unverständlichen Kommentare sorgen für enorme Erheiterung im Bus und falls ich mal nachfrage, was die draußen so erzählen, wird nur mit dem Kopf geschüttelt „Ach, dass übersetze ich besser mal nicht!“ Toll, da fühlt man sich gleich viel besser!
Nicht zu Vergessen ist das ständige „Zsss Zsss“ von den Verkäufern, die um den Bus rumpilgern und ihre Ware darbieten...von kalten Getränken und Süßigkeiten über Spiegel, Hunden, Plastikblumen, Besen, Portemonnaies zu Bibeln, Wäscheklammern und Unterwäsche ist alles im Repertoire. Anfangs dachte ich immer, wer kauft denn bitteschön eine Goldkette aus dem Bus heraus kurz vor dem Losfahren...aber ob man es glaub oder nicht, der Markt ist da!
Wenn es denn endlich nach rund 30 Minuten losgeht, bin ich jedes Mal der festen Überzeugung, das der rund 2 Meter breite Bus niemals durch die 1 Meter große Lücke passt, den 2 vor ihm parkenden Busse gelassen haben, aber natürlich schafft es der Fahrer immer irgendwie...Fluchen, Hupen, Schreien inklusive. Minibusse sind übrigens die Kings of the Road. Da haben nicht mal Taxifahrer eine Chance. Wenn Stau ist, wird halt eine dritte Spur für Minibusse „aufgetan“. Spurwechsel ist eine besondere Form des Reißverschlussprinzips: Der Bus schlüpft immer von einer Spur zur anderen, ohne Blinken natürlich, Vorfahrt wird niemandem gewährt, abgesehen von Kollegen vielleicht. Ich glaub, ein Minibus ist erst dann kaputt, wenn die Hupe irreparabel abgenutzt ist. Funktionierende Bremsen, aufgepumpte Reifen und Licht ist eine reine Nebensächlichkeit! Aber ich muss sagen der Fahrstil der Fahrer, wie chaotisch er auch sein mag, gibt einem immer das Gefühl, dass man heil ankommt und bisher wurde ich noch nie vom Gegenteil überzeugt. Wenn ein oder mehrere Passagiere schon vor der Endstation aussteigen, dann schreit der Conducter in regelmäßigen Abständen den Namen der Endstation in die Welt hinaus, um neue Passagiere anzulocken.
Bezahlt wird immer im Bus während der Fahrt, bezahlt man mit großen Scheinen, bekommt man das Wechselgeld meist erst am Ende der Fahrt, aus welchen Gründen auch immer, denn rausgeben könnte der Conducter. Eine Fahrt kann zwischen 10 Cent und 70 Cent kosten, kommt ganz auf die Distanz und die Stadt drauf an.
Minibusfahrer kann jeder werden, der sich den Minibus leisten kann....ich glaub, wenn ich hier mal länger in Zambia bleiben sollte, werde ich mir so einen Bus besorgen und die Nord-Süd-Verbindung in Lusaka in anbieten, denn das „Verbundsystem“ ist eine Katastrophe!
Soviel von der Busfahrerin...

1 Kommentar:

  1. Genial geschrieben! Wenn sich nachdem keiner vorstellen kann wie laut, bunt und chaotisch es auf sambischen Strassen und beim Busfahren zugeht weiss ich auch nicht weiter...

    Viele Gruesse aus der Hauptstadt!

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