Montag, 31. Mai 2010

Mal wieder ein Lebenszeichen...

Lange, lange Funkstille...die letzten 3 Wochen war ich mal wieder fleißig am rumreisen....von Kitwe wieder nach Lusaka, um den Versuch zu starten meine Forschungserlaubnis zu bekommen, nach ein paar Tagen wieder zurück nach Kitwe, kurzer Abstecher nach Solwezi, wieder Kitwe und seit letztem Freitag wieder dauerhaft in Lusaka. Die offizielle Forschungserlaubnis habe ich bis heute nicht, aber inoffiziell stehen mir eigentlich doch die meisten Türen offen. Daher mache ich mir da keinen Stress mehr und mache weiter wie bisher. Insgesamt kann ich sagen, dass mein Copperbeltaufenthalt bezüglich meiner Forschung sehr erfolgreich war. Habe viele gute Interviews gehabt, interessante Menschen getroffen und wichtige Daten sammeln können. Die erste Halbzeit von meinem Kitwemonat habe ich wie bereits erwähnt mit Max und Clara verbracht, die verbleibenden 2,5 Wochen bin ich bei Ogar (eine Freundin, die ich bei meinem letzten Aufenthalt in Zambia kennen gelernt habe) und ihrer Family untergekommen. Ich habe es sehr genossen!
Als ich für 2 Tage nach Solwezi gefahren bin, habe ich mich natürlich auch wieder mit Ericson getroffen und wir haben weitere 5 Paar Fussballschuhe und 11 Paar Stulpen (oder wie heißen die Schienbeinschützer?) gekauft. Jetzt ist das Team einigermaßen ausgerüstet. Momentan führen sie auch die Tabelle in ihrer Liga an...von 3 Spielen 3 gewonnen! Ein anderes Problem war ja der Transport der Mannschaft zu Auswärtsspielen. Das konnte behoben werden, indem Ericson einen Deal mit einer anderen Mannschaft eingegangen ist...Wenn die Spieler benötigen, können sie auf Ericsons Team zurückgreifen und außerdem auch den Fussballplatz von Youth Alive für ihr Training und die Spiele nutzen, im Gegenzug stellen sie ihren Bus zur Verfügung. Bisher klappt das ganz gut.
In meinem letzten Blogeintrag habe ich ja über die Straßenkindersituation in Kitwe geschrieben...in den darauf folgenden Wochen habe ich immer mehr erschreckende Details erfahren und mitbekommen. Beispielsweise wird der Kleber, den sie schnüffeln, aus den Auspuffrohren der Autos rausgekratzt. Also noch dreckiger als ich vermutet habe. Da das ein recht mühseliger und teilweise auch gefährlicher Job ist, werden häufig kleine Kinder drauf angesetzt, den Stoff zu sammeln, müssen ihn dann beim „Bandenchef“ abgeben, der das Zeug dann weiterverkauft. Einige der Straßenkinder haben auch noch Eltern, aber da sie schon so abhängig vom Kleber sind, den sie zu Hause natürlich nicht bekommen, bevorzugen sie das Leben auf der Straße. Ich wurde nicht nur einmal von ca. 8- oder 9jährigen Kindern gefragt, ob ich ihnen denn nicht Bier oder anderen Alkohol kaufen könnte....und ich konnte klar sehen, dass das nicht das erste Bier an dem Tag gewesen wäre!
Durch Zufall habe ich gleich am Anfang meines Aufenthaltes in Kitwe Sophie kennengelernt. Sie hat mir berichtet, dass sie ein Center für Waisen- und Straßenkinder leitet. Irgendwann wollte ich mehr darüber erfahren und habe sie gebeten, mich mit zu ihrem Arbeitsplatz zu nehmen. Das Heim liegt in einem der Compounds etwas außerhalb von Kitwe. Dort können rund 200 Kinder unter der Woche tagsüber hinkommen, bekommen relativ regelmäßig etwas zu essen und, was noch viel wichtiger ist, werden in verschiedenen Bereichen geschult, beispielsweise über Alternativen des Straßenlebens, wie wichtig es ist, in die Schule zu gehen, aber auch soziale Komponente, wie Teamwork, arbeiten unter Anleitung und respektvolles Verhalten gegenüber Anderen. Was für uns ganz selbstverständlich klingt, muss dort in langwierigen Schritten antrainiert werden. An dem Tag an dem mich Sophie mit zum Center genommen hatte, konnte keine Unterricht stattfinden, denn normalerweise bekommen die Kinder ersteinmal Essen (manchmal die einzige Mahlzeit am Tag), um sich dann überhaupt konzentrieren zu können. Die wenigstens von uns können sich wohl vorstellen, wie es ist, wenn man richtig Hunger hat und man sich dann auch noch auf etwas konzentrieren soll. Aber das Center hatte nichts, keine Holzkohle, kein Nshima, Nichts. Nur einen Pappkarton voll mit ein paar Paketen speziell angereichertem Reis...der am Tag zuvor von einem privaten Spender abgegeben worden ist. Nun wurden die Reispäckchen aufgeteilt, allen erklärt wie man sie zubereitet und dann durften die Kinder wieder nach Hause oder zu Freunden, um sich dort das Essen selber zu zubereiten. Als ich das so gesehen habe, ist mir eingefallen, dass ich das Geld, welches ich von der Goetheschule für die Fussballschuhe bekommen habe, noch nicht komplett aufgebraucht habe und mir noch rund 100 Euro zur Verfügung stehen. Kuzentschlossen habe ich Sophie davon berichtet und gemeint, dass wir zusammen auf den Markt gehen können und zusammen Essen für das Center kaufen können. Sie war überglücklich und wir haben uns gleich auf den Weg gemacht. Nach gut 2 Stunden kamen wir vollbepackt mit Mealimael (Mehl für Nshima), Bohnen, Kepenta (kleine Trockenfischchen), Tomaten, Zwibeln, Milch, Öl, Zucker, Salz, Frühstücksmehl, Soyafleisch....und vielem mehr wieder. Da es im Center keinen Kühlschrank gibt (selbst wenn, Strom ist auch nicht vorhanden!), mussten wir uns auf lang haltbare und ungekühlte Produkte beschränken. Wir haben soviel gekauft, dass es rund für eine Woche reicht. Es ist auch nicht so, dass alle 200 Kinder jeden Tag kommen, sondern, dass sie in Gruppen aufgeteilt werden, die jeweils 1-2 Tage pro Woche zugeteilt bekommen. Ziel der Centerleitung ist es, ein Areal zu finden, welches groß genug ist für alle 200 Kinder gleichzeitig und dass auch alle Kinder jeden Tag wenigstens eine warme Mahlzeit bekommen....ein schier utopisches Projekt, wenn man sich die finanzielle Situation anschaut. Ich konnte zwar für eine Woche helfen, aber spätestens seit heute steht die Einrichtung wieder genau vor dem selben Problem!
Ich hoffe, dass die fleißigen Spender der Goetheschule einverstanden sind, mit dem leicht veränderten Einsatz des Geldes. An dieser Stelle kann ich mich auch nur wiederholen und mich recht herzlich bedanken, denn ohne eure finanzielle Unterstützung hätte ich nur tatenlos zu sehen können, ohne einen kleinen Beitrag leisten zu koennen...Danke!!!

Freitag, 7. Mai 2010

Kitwe...

Trotz meiner netten Erklärung über den Grund meines Aufenthaltes und eines Referenzschreibens der Copperbelt University, muss ich nun nach Lusaka reisen und den Permanent Secretary persönlich treffen. Wahrscheinlich muss er sich erst von meiner realen Existenz überzeugen, bevor ich seine offizielle Forschungserlaubnis bekomme. Naja, aber wenigstens kann ich dann gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen und am Samstag ein China-Zambia-Business-Seminar wahrnehmen, für das ich mich schon wohlweislich angemeldet habe. Außerdem möchte ich auch Mercy, meinen Schulschützling, bei der Zimmersuche unterstützen. Das geht nur, wenn ich vor Ort bin und den Verantwortlichen für die Studienräume meine Hautfarbe bewusst wird...traurig aber wahr! Mir wurde unmissverständlich klargemacht, dass ich nur anwesend sein muss, „dann lässt sich schon was arrangieren“ (O-Ton).
Daher mache ich mich gleich wieder auf den 6 bis 7-stündigen Rückweg nach Lusaka und kehre Kitwe für ein paar Tage den Rücken. Da sich meiner Malaria gleich noch ne fiese Darmkrankheit angeschlossen hat, bin ich immer noch auf Medikamenten und kann demnach nicht mal ein wenig feiern gehen in Lusaka =(
In den letzten 2 Wochen hab ich hier in Kitwe das erste Mal richtig bewusst gesehen, was mir von vielen schon erzählt worden ist. Kitwe hat ein großes Problem mit Straßenkindern (wahrscheinlich hat es jede Stadt in Zambia, aber hier sind sie wesentlich offensichtlicher ins Stadtbild integriert). Die Meisten liegen auf einem kleinen Wiesenabschnitt vor dem Edingbourgh Hotel (das einzige Hotel in Kitwe) mitten in der Innenstadt. Wobei man sagen muss, eine Innenstadt im eigentlichen Sinne, wie wir sie uns vorstellen gibt es nicht. Die Altersklassen reichen von schätzungsweise 6 Jahren bis Ende 20. Die Jüngeren versuchen Geld zu verdienen durch Autowaschen oder Trägerjobs oder betteln einfach nur. Die Älteren halten sich eher mit gelegentlichen Diebstählen über Wasser (bei meinem ersten Aufenthalt in Kitwe vor rund 1,5 Jahren wurde ich auch um mein Handy erleichtert)...das erworbene Geld wird sofort in Kleber investiert. Dieser Kleber, erhitzt und tief inhaliert, ergibt eine berauschende und benebelnde Wirkung, die den Straßenkindern für wenige Minuten erlaubt, dem Alltag zu entfliehen. Danach liegen sie wie tot auf der Wiese, auf der Straße oder wo sonst sie gerade den Kleber geschnüffelt haben. Es hat sich schon ein regelrechter Kleberdealerring gebildet, der die Konsumenten immer mit Nachschub versorgt. Der Vorteil gegenüber anderen Drogen liegt auf der Hand: Kleber ist günstig, wirkt schnell und ist nicht illegal, man kann also von der Polizei für den Besitz von Kleber nicht belangt werden. Das Schnüffeln von Kleber ist ja schon von Natur aus nicht unbedingt das Gesündeste, was man machen kann, aber dieser Stoff ist meist noch mit diversen dreckigen Chemikalien verseucht, die das Hirn noch umso mehr angreifen. Als ich das erste Mal an dem Platz vorbei kam, konnte ich gar nicht glauben was ich sehe, obwohl ich mittlerweile, was Armut betrifft, einiges gewöhnt bin. Ich habe es auch gar nicht verstanden...eine Horde Jugendlicher, die sich jeder Plastikflaschen an die Nase drücken und danach reihenweise wegsacken. Mehr als nur einmal wurde ich von ein paar von denen angesprochen, nur um mitzubekommen, dass sie nicht mal mehr in der Lage waren, sich zu artikulieren.
Und das Schlimme daran ist, dass sich keiner mehr daran stört, keiner ist mehr schockiert, sondern es gehört einfach zu Kitwe dazu, jeder hat sich daran gewöhnt. Vielleicht kommt ab und zu mal die Polizei vorbei, vertreibt die Jugendlichen....ganz nach dem Prinzip: Aus den Augen, aus dem Sinn....aber spätestens am nächsten Tag sitzen sie wieder da.
In Zambia stirbt die Elterngeneration einfach weg....HIV und AIDS macht zwar vor Niemanden halt, aber am stärksten betroffen ist die arbeitsfähige Generation, die meistens ihre Kinder als Waisen hinterlassen, falls nicht die Großeltern oder andere gnädige Familienmitglieder die Pflege übernehmen. In wenigen Jahren werden in Zambia 1 Million AIDS-Waisen leben, in einem Land, das gerade mal 12 Millionen Einwohner hat, ist das eine unvorstellbare Zahl. Die wenigen Waisenhäuser, die existieren, sind heillos überfüllt und in einem erbärmlichen Zustand...nicht selten müssen die Kinder selbst dort hungern und Schulausbildung ist auch nicht garantiert. Daher landet ein Großteil auf der Straße und versucht dort für sich selbst zu kämpfen. Es ist unglaublich, wenn man Kleinkinder sieht, die ganz auf sich selbst gestellt sind. Im Besten Fall gehören sie einer Gruppe an, um überleben zu können. Straßenkinder werden hier wie Dreck behandelt. Sie werden geschlagen, getreten, ignoriert. Mädchen werden vergewaltigt, was sie automatisch dem gleichen Schicksal ihrer toten Eltern ausliefert.
Wenn man sich das vor Augen führt, kann man ein wenig mehr nachvollziehen, warum sie wenigstens für ein paar wenige Minuten versuchen der Realität zu entfliehen....und sich dem Rausch hingeben.
Kein schönes Thema, aber auch eine Seit von Zambia!

Donnerstag, 6. Mai 2010

Minibusfahren in Zambia - eine Erfahrung fuer sich

Zambia hat mich nun wieder mit all seinen Facetten willkommen geheißen: Die letzten Tage durfte ich mich Mal wieder mit Malaria abplagen...es war kurz und heftig, ich fühle mich noch etwas wackelig auf den Beinen, aber trotzdem habe ich mich heute wieder in die Innenstadt Kitwes gewagt, um meiner Arbeit nachzugehen. Und als ich so im Minibus saß, ist mir aufgefallen, wie ungewohnt, wenn nicht gar verrückt es einem Neuankömmling vorkommen muss, sich auf dieses Miniabenteur zu begeben. Für mich ist es mittlerweile ganz normaler Alltag, manchmal muss ich lachen, manchmal kann ich nur den Kopf schütteln und manchmal nervt es einfach nur. Es ist zwar nicht möglich in Worte zu fassen, wie man das alles als „Muzungu“ aufnimmt, aber ich werde es trotzdem auf einen Versuch ankommen lassen...
Minibusse sind in Zambia, eigentlich in ganz Afrika, DAS öffentliche Verkehrsmittel schlechthin...die pulsierende Ader, die alles am Laufen hält...irgendwie. Sie haben die Größe eines Vans, sind himmelblau und meistens mit allerlei Werbung bemalt. Abhängig von der Größe der Stadt stellt man sich einfach an den Straßenrand und winkt, um aufgesammelt zu werden oder man muss zu nicht gekennzeichneten, aber jedem Einheimischen bekannten Haltestellen gehen(in Lusaka ist das so, da dort zu viel Polizeiautos unterwegs sind, als dass man sich einen illegalen Zwischenstopp erlauben könnte). Die Mindestanzahl von Insassen beträgt 16 Personen, was ich schon als kuschelig bezeichnen würde...da sind aber Kinder, Hühner, Fisch-, Mehl- oder Reissäcke nicht mit eingerechnet. Es ist eigentlich immer ein Reisender dabei, der scheinbar seinen Umzug damit bewerkstelligt, zumindest was den Umfang seines Gepäcks betrifft. Nicht selten hat man irgendwelche Babys oder Taschen auf dem Schoß. Ein Minibus fährt niemals, wirklich niemals, ab. bevor nicht auch der letzte Platz besetzt ist, auch wenn das bedeutet, dass man manchmal eine halbe Stunde in der brütenden Sonne steht, gelegentlich vor- und zurückrangiert und die Hupe im Dauerbetrieb betätigt. In Lusaka und auch in Kitwe muss ich immer vom Busbahnhof losfahren, um von der Innenstadt zu meiner Unterkunft zu kommen...da muss man als Muzungu manchmal besonders starke Nerven zeigen. Denn meistens ist man die einzige weiße Person in der ganzen Umgebung und das bleibt natürlich nicht unentdeckt und vor allem nicht unkommentiert...jeder Zweite, der vorbei kommt, gibt seinen Kommentar ab, bleibt gegebenfalls stehen, holt noch ein paar Kollegen ran und fängt eine intensive Diskussion über Was-Weiß-Ich an, denn findet ja nur in Nyanja oder Bemba statt. Aber da alle halbe Minute das Wort Muzungu fällt, ist klar wer Gegenstand des Gespräches ist. Man selber sitzt eingequetscht zwischen stinkenden Säcken (vielleicht Trockenfisch?), lautstark telefonierenden Männern, lachenden Frauen und stillen Kindern...und der Schweiß läuft nur so. Dann kommt der Conducter und erklärt einem, dass man noch eine Reihe weiter nach hinten rutschen soll, denn da ist noch ein Sitzplatz unbesetzt. Ich dreh mich um...Stimmt, da sind tatsächlich noch 10cm Platz neben der gut beleibten african Mama. Dass es sich dabei nicht mehr um die Sitzbank handelt, sondern um einen Benzinkanister, ist kein Argument. Ab nach hinten!!! Nun direkt an die Scheibe gequetscht, bietet man natürlich um so mehr Gesprächsstoff für die gut angeheiterten Jungs draußen. Die mir unverständlichen Kommentare sorgen für enorme Erheiterung im Bus und falls ich mal nachfrage, was die draußen so erzählen, wird nur mit dem Kopf geschüttelt „Ach, dass übersetze ich besser mal nicht!“ Toll, da fühlt man sich gleich viel besser!
Nicht zu Vergessen ist das ständige „Zsss Zsss“ von den Verkäufern, die um den Bus rumpilgern und ihre Ware darbieten...von kalten Getränken und Süßigkeiten über Spiegel, Hunden, Plastikblumen, Besen, Portemonnaies zu Bibeln, Wäscheklammern und Unterwäsche ist alles im Repertoire. Anfangs dachte ich immer, wer kauft denn bitteschön eine Goldkette aus dem Bus heraus kurz vor dem Losfahren...aber ob man es glaub oder nicht, der Markt ist da!
Wenn es denn endlich nach rund 30 Minuten losgeht, bin ich jedes Mal der festen Überzeugung, das der rund 2 Meter breite Bus niemals durch die 1 Meter große Lücke passt, den 2 vor ihm parkenden Busse gelassen haben, aber natürlich schafft es der Fahrer immer irgendwie...Fluchen, Hupen, Schreien inklusive. Minibusse sind übrigens die Kings of the Road. Da haben nicht mal Taxifahrer eine Chance. Wenn Stau ist, wird halt eine dritte Spur für Minibusse „aufgetan“. Spurwechsel ist eine besondere Form des Reißverschlussprinzips: Der Bus schlüpft immer von einer Spur zur anderen, ohne Blinken natürlich, Vorfahrt wird niemandem gewährt, abgesehen von Kollegen vielleicht. Ich glaub, ein Minibus ist erst dann kaputt, wenn die Hupe irreparabel abgenutzt ist. Funktionierende Bremsen, aufgepumpte Reifen und Licht ist eine reine Nebensächlichkeit! Aber ich muss sagen der Fahrstil der Fahrer, wie chaotisch er auch sein mag, gibt einem immer das Gefühl, dass man heil ankommt und bisher wurde ich noch nie vom Gegenteil überzeugt. Wenn ein oder mehrere Passagiere schon vor der Endstation aussteigen, dann schreit der Conducter in regelmäßigen Abständen den Namen der Endstation in die Welt hinaus, um neue Passagiere anzulocken.
Bezahlt wird immer im Bus während der Fahrt, bezahlt man mit großen Scheinen, bekommt man das Wechselgeld meist erst am Ende der Fahrt, aus welchen Gründen auch immer, denn rausgeben könnte der Conducter. Eine Fahrt kann zwischen 10 Cent und 70 Cent kosten, kommt ganz auf die Distanz und die Stadt drauf an.
Minibusfahrer kann jeder werden, der sich den Minibus leisten kann....ich glaub, wenn ich hier mal länger in Zambia bleiben sollte, werde ich mir so einen Bus besorgen und die Nord-Süd-Verbindung in Lusaka in anbieten, denn das „Verbundsystem“ ist eine Katastrophe!
Soviel von der Busfahrerin...

Freitag, 30. April 2010

Janice in Kitwe

Meine erste Lusaka-Etappe nährt sich langsam dem Ende...denn spätestens am Donnerstag heisst es für mich: Copperbelt, genauer gesagt ein paar Tage Ndola und dann rund 5 Wochen Kitwe... Ich bin echt mal gespannt, wie die Informationssuche dort verlaufen wird. Denn hier in Lusaka lief es relativ gut. Vor allem die NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) waren sehr hilfsbereit und auch an dem Thema selber sehr interessiert. Aber meistens fehlen die Kapazitäten für die Organisationen selber solche Untersuchungen zu machen, daher sind natürlich Forschungskandidaten wie ich immer herzlich willkommen. Die Regierungseinrichtungen sind ein wenig schwieriger und verschlossener, aber ich hoffe, morgen meinen Durchbruch zu haben...da stehen wichtige Termine an...Mal schauen! Ich vermiss aber meine Zeit hier in Lusaka jetzt schon, denn ich hatte das Glück in eine wunderschön zusammengewürfelten WG zu landen...3 Deutsche (Christoph, Kristin und ich), ein Schweizer (Thomas) und unsere Quotenzambierin (Sheillar). Jeder von uns hat sein Zimmer mit eigenem Bad und Toilette...Wohnzimmer und Küche wird natürlich geteilt. Letzten Samstag haben wir es auch endlich geschafft unsere Einweihungs- bzw. für mich ja schon wieder Auszugsparty zu veranstalten...ein extrem lustiges Unterfangen! Ich glaube wir sind langsam als Party-WG bekannt und auf jeder anderen Veranstaltung gern gesehene Gäste...so wie es sein muss! Anfangs waren fast nur Deutsche aus der EZ (Entwicklungszusammenarbeit - an die ganzen Abkürzungen könnt ihr euch ruhig schon mal gewöhnen, ohne die läuft hier gar nichts!) auf der Feier anwesend, aber dann hat es sich gut durchmischt mit den Zambiern...und zum Schluss wurde gemeinsam zu Gipsymucke Polka getanzt! Am nächsten morgen sahen wir dann auch alle entsprechend zermatscht aus und haben uns gedacht zur Feier des Tages gehen wir rüber zum äthiopischen Restaurant und lassen uns ein mondänes Frühstück servieren. Trotz mehrmaliger Beteuerung, dass es auch Frühstück in Äthiopien gibt, konnten wir nichts dergleichen auf der Karte finden und haben uns dann wahlweise mit Pork Chops (beharrte Schweineschwarte mit einem kleinen Rand Fleisch), Pommes, ultrascharfem Hühnchen und Injera (Schaumstofflappen mit säuerlichem Geschmack) zufrieden gegeben...ein besseres Katerfrühstück kann es wohl nicht geben!
Das ich dem Internet wieder wochenlang ferngeblieben bin, schreibe ich nun aus Kitwe...sprich ich habe es geschafft, mich dem schönen Lusakaleben zu entziehen und gen Norden zu reisen. Es ist gerade angenehm geworden, denn langsam habe ich auch die schönen und nicht nur die stressigen Seiten der Stadt kennen gelernt und hier in Kitwe muss ich nun wieder von ganz vorn anfangen. Ich wurde freundlicherweise von Max (Entwicklungshelfer des DED) und seiner Freundin aufgenommen, war demnach nicht total allein auf mich gestellt. Ich habe mich nach meiner Ankunft auch gleich wieder in die Arbeit gestürzt und bin vielen Leuten auf die Nerven gegangen. Langsam wird auch die Regierung auf mich aufmerksam...ich weiss noch nicht, ob das was Gutes oder eher was Schlechtes ist (ich befürchtet ja eher Letzteres). Ich bin zum Mines Safety Department gegangen, um dort, wie ürblich, nach Informationen zu fragen. Dort kamen wir ziemlich schnell auf mein (nichtvorhandenes) Research Permit zu sprechen...also meine Forschungserlaubnis. Nun stehe ich im regen Kontakt mit dem permanent secretary (sowas ähnliches wie unser Staatssekretär in Deutschland) und versuche ihn zu überzeugen, dass ich nur das Beste für das Land will und er mir doch bitte die Erlaubnis ausststellen soll. Um zu vermeiden, dass ich dafür wieder zurück nach Lusaka reisen muss (7 Stunden Fahrt), faxen wir jetzt fleissig...Momentan sind alle noch sehr freundlich und zuvorkommend, ich hoffe das ist nicht nur eine Masche, alle Informationen über mich raus zu bekommen und mir dann letztendlich ein komplettes Forschungsverbot zu erteilen. Wäre irgendwie unschön...
Aber davon abgesehen hatte ich auch schon ein Erfolgserlebnis, denn für mich ist es sehr wichtig, einen bestimmten Professor zu treffen, der u.a. in diesem Bereich selber schon Forschungen angestellt hat und einer der bekanntesten Männer Zambias ist. Da er an vielen Fronten kämpft, ist er sehr beschäftigt und selten anzutreffen. Ich habe es aber drauf ankommen lassen und hatte wohl mehr Glück als Verstand und konnte ihn heute auf dem Campus der Copperbelt University abfangen (er kam gerade aus London wieder und bereitet seine Abreise nach Holland vor). Ich habe ihm mein Vorhaben erklärt und er hat sich sofort bereit erklärt, mich zu unterstützen, selbst mit dem Research Permit will er mir helfen...Großartig! Morgen früh habe ich einen Termin mit ihm, muss aber noch ein Forschungsproposal verfassen, was wohl bedeutet, dass ich eine kleine Nachtschicht einlegen werde.
So, genug von der Arbeit berichtet...aber mehr kann ich auch gar nicht sagen, denn das ist grad das Einzige, was ich tue...
Daher, euch einen guten Frühling!

Dienstag, 13. April 2010

Nun die Bilder von den Schuhen


Ericson im ersten Schuhladen


Unter Aufsicht der herrischen Ladenbesitzerin müht Ericson sich ab, eine Quittung zu schreiben


Die nächsten 2 Paar Schuhe ergattert


Laden Nummer 3


Harte Verhandlungen über den Preis...schließlich handelt es sich hier um Neuware


Das Ergebnis von 3 Stunden "Stadtbummel"


Ganz feierlich wurde die Übergabe der Schuhe celebriert


Jeder sucht sich seine passenden Schuhe aus


Stolz und glücklich über das neue Paar Schuhe, welches aber nur für Spiele, nicht für das Training vorbehalten ist


Hier ist das Team nur zur Hälfte komplett...Trainingszeiten werden nicht immer so genau genommen, dafür erscheinen dann aber bei den Spielen umso mehr Jungs


Die Schuhe da wo sie hingehören...

Nochmal vielen Dank an die Goetheschule in Ilmenau für die tatkräftige Unterstützung und mit eurer Hilfe kriegen wir auch noch die restlichen Jungs "beschuht"!

Montag, 12. April 2010

Fussballschuhe für Youth Alive Allstars

Nun zu der schon erwähnten Spendenaktion...aber diesmal nicht bezüglich Mercy und Oliver, sondern es geht um ein ganz anderes Thema...
Rund 2 Wochen bevor es für mich auf den afrikanischen Kontinent ging, habe ich mit Matthias (auch ein ehemaliger Freiwilliger, der zur gleichen Zeit wie ich in Zambia war) meine ehemalige Schule in Ilmenau (Goethegymnasium) besucht, um Schülern der fünften und siebten Klassen einen kleinen Eindruck über Zambia zu vermitteln. Wir haben alle zusammen unter Anderem über die Tierwelt, Essen, Leben, Entwicklung und Fussball in Zambia diskutiert. Ich war begeistert wie wissbegierig und interessiert die Schüler waren. Jeweils am Ende eines jeden Vortrages habe ich ein Fussballteam aus Solwezi vorgestellt, welches von einem meiner ehemaligen Mitarbeitern trainiert wird...die Spieler sind alle zwischen 12 und 16 Jahre alt und nicht wenige wachsen ohne Eltern, im Waisenheim oder gar auf der Straße auf. Während meines einjährigen Aufenthaltes in Solwezi habe ich auch viel mit dem Team gemacht (Auswärtsfahrten finaiziert, Turniere organisiert, Trikots besorgt,...) und war beeindruckt wie Ericson (Trainer) aus diesen unterschiedlichen Charakteren ein erfolgreiches Team zusammengestellt hat. Sie sind mittlerweile so gut, dass sie in der Division 3 (höchste Liga in der North-Western Province) aufgestiegen sind. Doch trotz dessen, mangelt es an allem, vor allem an Schuhen. Meistens spielen sie barfuss oder leihen sich von irgendjemanden die Schuhe zusammen...ungünstig, wenn man bedenkt, dass die Fussballfelder von Steinen, Müll und zerbrochenen Flaschen nur so gespickt sind.
Ich habe die Schüler gefragt, was sie denken, wie man Gelder zusammentragen kann, um dem Team Fussballschuhe zu besorgen...es sind viele gute Ideen zusammengekommen, von denen diverse umgesetzt worden sind. An dieser Stelle möchte ich mich wirklich für den Einsatz der Schüler der Goetheschule bedanken!!!
Kurz vor meinem Trip nach Solwezi sind 190 Euro aus dieser Spendenaktion auf mein Konto eingegangen, mit der Ansage, dass noch ein wenig mehr Geld folgen wird. In Solwezi angekommen, habe ich mich natürlich auch mit Ericson getroffen und mich über den Stand der Dinge informiert. Dabei habe ich erfahren, dass die Spielsaison am 19.04. losgeht, ich das nächste Mal aber erst wieder Ende Mai oder Anfang Juni in Solwezi sein werde, daher haben wir gleich Nägel mit Köpfen gemacht und uns auf eine ausgiebige Schuhshoppingtour begeben. Denn es macht keinen Sinn, wenn das Geld nur auf meinem Konto rumliegt und wartet, dass es mehr wird, während die Jungs barfuss Fussball spielen müssen. Insgesamt werden 15 Paar Schuhe benötigt...dafür hat das Geld noch nicht ausgereicht, aber einen Anfangserfolg konnten wir beide schon verbuchen. Mit dem Geld bewaffnet (rund 1,1 Millionen Kwacha) haben wir uns am Ostermontag (ein Hoch auf den informellen Sektor,der Feiertage nicht ganz so ernst nimmt) auf einen Schuheinkaufmarathon begeben. Erst sind wir in einen Secondhand-Laden gekommen, der scheinbar aus Schuhen gebaut worden war...egal wo man hin trat, man stand auf gebrauchten Schuhen aus Europa oder Amerika. Irgendwo in einer Ecke kullerten die Fussballboots rum...wir konnten hier 4 Paar unterschiedlichster Größen ergattern. Da ich auf eine Quittung bestand, aber die Vordrucke nicht mehr (oder wohl niemals) da waren, erkor die Verkäuferin Ericson zum Quittungsschreiber, legte ihm ein Schulheft vor die Nase und beschrieb im herrischen Ton, wie die Quittung auszusehen habe. Ericson wurde mehrmals wegen seiner schlampigen Schrift, der Wahl der falschen Zeile oder der zu undetailierten Auflistung der Einkäufe angefaucht...ich sag nur: Setzen, 6! Haha...
Der zweite Laden war direkt an der Hauptstraße dran und war auch eher ein vorgelagerter Stand vor einem Tante-Emma-Laden (wie wohl alle Läden in Solwezi), dort baumelten 2 Paar, die Ericsons kritischer Prüfung standhielten und sofort eingesackt worden sind, nachdem wir den Preis von 180,000 Kwacha pro Paar (30 Euro) auf 120,000 Kwacha runterhandeln konnten. Der dritte Laden war mein persönlicher Lieblingsladen, irgendwo in den verschlungenen Gassen des Marktes hingen Schuhe jeglicher Art rum, auch Fussballschuhe...und zwar neue und ungetragene! Trotzdem denke ich, dass diese die schlechteste Qualität haben und wohl den nächste Regensaison nicht erleben bzw. überleben werden. Egal, sie sahen toll aus (Hauptkriterien, wenn eine Frau beim Kauf von Fussballschuhen beteiligt ist)! Ich musste noch mal zum Geldautomaten, da ich nicht den ganzen Betrag abgehoben habe, da ich in Solwezi gar nicht mit so einem großen Angebot an Fussballschuhen über die Osterfeiertage gerechnet habe...die Verkäufer liessen es sich nicht nehmen, uns zu begleiten, um das Geschäft dann am Geldautomaten komplett zu machen...inklusive Quittung und 5000 Kwacha Trinkgeld. Das neunte Schuhpaar haben wir im DAPP-shop erworben...Größe 5...Ericson blieb mir zwar den Beweis schuldig, dass er wirklich Spieler mit solch kleinen Füssen hat, ist aber überzeugt, dass die mindestens einem seiner Jungs passen werden.
Insgesamt haben wir 850,000Kwacha ausgegeben...zurück am Centre hat Ericosn fast ein Staatsfest aus der Übergabe gemacht, alle mussten sich hinsetzen, es gab eine lange Einleitung, auch Janice durfte ein paar Worte verlieren und dann endlich der große Moment, die Übergabe der Schuhe...Die Jungs haben sich echt gefreut, waren überglücklich...jeder hat mal jedes Paar anprobiert und am Ende hatte fast jedes Schuhpaar einen Träger gefunden, bis auf die kleine 5...der Spieler kam an dem Tag nicht zum Training...wie auch ein paar Andere. Die Schuhe werden nur für Spiele, nicht für das Training verwendet, ansonsten ist der Verschleiß zu hoch. Ich habe auch fleißig Bilder gemacht, aber die Verbindung hier weigert sich, auch nur eins hochzuladen und ich probiere es schon seit einer halben Stunde. Also, wenn ich mal zu einer besseren Zeit online bin, dann gibts auch Fotos! Die restlichen Schuhe werden gekauft, wenn ich wieder nach Solwezi fahre, hoffe bis dahin haben die Läden Nachschub besorgt...
Soviel bis dahin!

Mittwoch, 7. April 2010

Kurztrip nach Solwezi

So, Ostern ist uberstanden!
Eier suchen stand bei mir natuerlich nicht auf dem Programm, aber dafuer hab ich mir ein paar schoene Tage in Solwezi gemacht...ich habe mich mit einem Kumpel sehr spontan am Donnerstagabend entschieden hoch in den Norden zu fahren. Dementsprechend habe ich auch niemanden über meinen Kurzbesuch informiert, ausser Astrid (meine Nachfolgerin bei Youth Alive), da sie mir Asyl bieten musste. Nach rund 11 Stunden Busfahrt bin ich abends um 20 Uhr angekommen, bin ins naechstbeste Taxi gesprungen und habe mich auf unser „Blind Date“ begeben. Denn ich schreibe mit Astrid schon seit rund einem Jahr regelmaessig Emails, aber im real life haben wir uns noch nicht getroffen...daher haben wir uns beide wohl schon nen bissel wie auf den Moment gefreut. Es war natuerlich wie erwartet sehr schoen und wir hatten viel zu erzaehlen... In Solwezi wohnen jetzt 4 Volunteers, aber einer hat die Feiertage genutzt, um nach Livingstone zu fahren, daher habe ich nur die anderen 3 kennengelernt. Insgesamt war es echt schoen in Solwezi, ich habe viele Leute wieder getroffen, aber bei Weitem nicht alle, die ich gern wieder gesehen haette, aber ich werde im Mai oder Juni noch mal die Chance haben, denn dann fahr ich noch mal hoch.
Seit gestern abend bin ich wieder in Lusaka (10 Stunden Busfahrt) und habe mich wieder in meine Arbeit gestuerzt. Ich muss sagen, ich bin momentan mehr als zufrieden, wie es mit meinen Untersuchungen laeuft, denn fast ueberall wo ich hingehe (momentan sind es meistens irgendwelche Nichtregierungsorganisationen und die University of Zambia)), wird mir bereitwillig Material zur Verfuegung gestellt, man gibt mir Auskunft bzw. leitet mich zu wichtigen Ansprechpartnern weiter...also, bin ich gut am Rumrennen, um Lusaka kennenzulernen, Klinkenputzen bei den Organisationen und Lesen, Lesen, Lesen....Aber ich denke Lusaka ist noch am einfachsten, schwieriger wird’s dann in Kitwe und Ndola, vor allem, weil ich dort noch gar keine Unterkunft habe, das bereitet mir gerade noch ziemliches Kopfzerbrechen. Ich frage auch so ziemlich jeden, der mir ueber den Wegt laeuft, ob er jemanden kennt, der dort wohnt und mich aufnehmen kann...alle sagen, Klar kein Problem, aber dann schlaeft Projekt „Schlafplatzbeschaffung fuer Janice“ recht schnell wieder ein...
Es gibt auch Neuigkeiten bezueglich der Spendenprojekte, die gerade laufen, aber dazu werde ich gesondert jeweils etwas schreiben. So, ich muss jetzt los, auch wenn ich das klimatisierte Internetcafe sehr geniesse...
Liebste Gruesse aus dem Grossstadtjungle